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Kommunizierende Röhren, Raumbuch und Windenergie: Dr. Thomas Held tritt in den aktiven Ruhestand ein

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Thomas Held auf dem Langjökull, Island © Familie Held
Thomas Held auf dem Langjökull, Island © Familie Held

Nach 25 Jahren hat Dr. Thomas Held zum 1. Februar den Staffelstab in der Geschäftsführung des Geographischen Instituts an Annika Küper übergeben. Als Aktivrentner wird er dem Institut wichtige Pflichtlehre aufrechterhalten, bis andere diese Aufgabe übernehmen können. Zudem wird er dem Institut in den kommenden Monaten noch mit seinem in Jahrzehnten erworbenen Erfahrungsschatz zur Seite stehen. Er weiß am besten, wie Universität tatsächlich und nicht nur theoretisch funktioniert.

Thomas Held, Kind des Ruhrgebiets, hat an der Ruhr-Universität Bochum studiert und schloss sein Studium mit dem 1. Staatsexamen für das Lehramt in Biologie und Geographie ab. Darauf folgte bis 1995 die Promotionszeit am Lehrstuhl für Physische Geographie/Geoökologie (Prof. Dr. Klink). In seiner Dissertation wies er nach, dass unter den damaligen Nutzungsbedingungen keine Gefahr beim Verzehr von Obst und Gemüse aus den Schrebergärten in Witten zu befürchten ist. Auch in den Folgejahren konzentrierte er sich auf angewandte Themen im Ruhrgebiet, wie zum Beispiel den ökologischen Emscher-Umbau und die Regenwasserversickerung.

Den Studierenden der letzten beiden Jahrzehnte ist er vor allem durch die Raumplanungsvorlesung bekannt. Er vermittelte die Grundlagen der formalen Planung einschließlich der gesetzlichen Grundlagen, die von vielen Studierenden oft als trocken empfunden wurden, die allerdings unverzichtbar für alle darauf aufbauenden informellen Planungsformate und Governance-Analysen sind. Äußerst ideenreich waren seine freien Themen gewidmeten Lehrveranstaltungen. So behandelte er beispielsweise die Gefahr durch Landminen in Kriegsgebieten, „Geographische Merkwürdigkeiten in Deutschland“, die „Energiewende” und das „Risiko! Natürliche und anthropogene Gefährdungen und die Reaktionen von Gesellschaften und Individuen“.

Als Experte für Planungsaspekte der Standorte für Windenergieanlagen trat er in Lehrveranstaltungen auf, hielt Vorträge und betreute Qualifikationsarbeiten.

Für die Dozentinnen und Dozenten des Instituts sowie für die Angestellten in Technik und Verwaltung war Thomas Held mindestens ebenso wichtig als Kustos. Hinter diesem traditionellen Begriff stehen zentrale Aufgaben im Institut, die heute als Geschäftsführung bezeichnet werden. Gleich mit welcher Bezeichnung, ein Kustos bereitet inhaltlich die Beschlüsse des Vorstands vor, begleitet Ausschüsse und Kommissionen und erinnert an die Umsetzung von Vereinbarungen. Zentral gehört hierzu die Führung des Haushalts. Wir konnten uns darauf verlassen, dass Herr Held die verschiedenen Finanzierungsquellen („Töpfe“) im Blick behielt, vor allem wenn er den Mitgliedern des Vorstands immer wieder anhand von komplexen Excel-Tabellen den Durchblick verschaffte. Im Finanzierungsmodell mit Haushalts-, Sonder-, Sach- und Personalmitteln sollten alle Gelder angeblich gleichwertig sein und wie kommunizierende Röhren funktionieren, doch wen wundert’s - es gab so manche Fallstricke und Vorbehalte. Der Stellenplan war und ist so eine andere damit verbundene Baustelle, die er für das Institut betreute.

Als Mittelbauvertreter war Thomas Held über Jahrzehnte hinweg gewähltes Mitglied des Fakultätsrats, der Universitätskommission für Planung (UKP) und des Senats der Ruhr-Universität. So wusste er frühzeitig über zu erwartende Neuerungen Bescheid, auf die wir uns – zu unserem Nachteil oder Vorteil - einstellen durften. In den 25 Jahren gab es so manche Überraschungen und Umwälzungen.

Eine Herkulesaufgabe war das Management des Institutsumzugs aus dem NA- in das IA-Gebäude. Die Vorbereitungen nahmen Jahre in Anspruch. Es musste ein Raumbuch geführt werden, in dem - gemäß der Landesvorschriften penibel - Anzahl, Größe und Ausstattung der Seminar- und Besprechungsräume, Büros und Labore verbindlich festzulegen waren. Thomas Held verlor bei all diesen Arbeiten nie die Ruhe und wusste mit unseren Wünschen und Befindlichkeiten umzugehen.

Das gilt für seinen Umgang mit seinen Aufgaben und dem Institut insgesamt. Seine durchdachte und sachliche Arbeitsweise hat die Zusammenarbeit auch in schwierigen Zeiten immer wieder in ruhige Fahrwasser gelenkt. Neben seinen Routineaufgaben hat er uns an getroffene Absprachen und Beschlüsse erinnert und Anpassungen für die Zukunft angemahnt.

Für all das sagen wir herzlichen Dank. Wir wünschen ihm, dass - von Verantwortung befreit - seine anderen Interessen mehr und mehr Zeit und Raum gewinnen werden. Insgeheim wünschen wir uns, dass er etwas von seiner überlegten Art und seinem impliziten Wissen in die nun begonnene teilaktive Phase einbringt.

Harald Zepp



16. Februar 2026
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Autor:in:
Harald Zepp

Schlagworte:
GI-News
Der Umzug vom NA- ins IA-Gebäude bestimmte viele Jahre lang das Arbeitsleben von Thomas Held. Geographisches Institut.