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LELINA – Lern- und ErlebnisLabor IndustrieNAtur: Außerschulische Lernorte im Ruhrgebiet

Das Geographische Institut (Arbeitsgruppe Geographiedidaktik) der Ruhr-Universität Bochum und Partner schaffen ein außerschulisches BNE-Projekt rund um das Thema Industrienatur.

Projekthintergrund, -ziele und -umsetzung

An zahlreichen Orten im Ruhrgebiet lassen sich brachgefallene Flächen und Relikte der industriellen Vergangenheit finden. Einige dieser Brachflächen, die sich durch unterschiedlichste Standortbedingungen auszeichnen, hat die Natur zurückerobert. Aufgrund der vielfältigen Tier- und Pflanzenarten gilt die sogenannte Industrienatur als wichtiger Bestandteil für die urbane Biodiversität im Ruhrgebiet. Dass diese vielen Beeinträchtigungen (z. B. zunehmende Bebauung, Umweltbelastungen, klimatische Veränderungen) ausgesetzt ist (Regionalverband Ruhr, 2022) und lediglich 35 % der befragten Jugendlichen die inhaltliche Bedeutung des Begriffes „Biologische Vielfalt” kennen (BMU 2021, S. 26. f.) zeigt die Relevanz der Thematik und einen klaren Handlungsbedarf. Denn nur das „was man kennt und benennen kann, kann man auch hinreichend wertschätzen“ (BMU & BfN 2020, S. 7).

Vor diesem Hintergrund entstehen im Verbundprojekt LELINA fünf außerschulische Lernorte – die sogenannten Lern- und Erlebnislabore – inmitten der Industrienatur des Ruhrgebietes. Dort sollen Schüler:innen lernen, die besondere Natur des Ruhrgebietes wertzuschätzen, zu pflegen und zu erhalten. Ziel ist es, das Natur- und Umweltwissen zu erweitern, natur- und gesellschaftswissenschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und das eigene Wohn- und Schulumfeld wahrzunehmen, zu verstehen und letztendlich mitzugestalten und zu erhalten (Regionalverband Ruhr o.J.). 

Im Sinne einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) – im Speziellen des Sustainable Development Goals 4 der Agenda 2030 „Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern” (Vereinte Nationen 2015, S. 15) – und im Rahmen des Entdeckenden und Forschenden Lernens soll mithilfe der eigens für das LELINA-Projekt entwickelten Lern- und Erlebnismodule am außerschulischen Lernort den teilnehmenden Lernenden der Lerngegenstand Industrienatur verständlich gemacht werden. Inhaltlich werden bei LELINA die Industriegeschichte des jeweiligen Standortes, die Tier- und Pflanzenwelt der Industrienatur, klimatische und bodenkundliche Bedingungen des jeweiligen Standortes, Gewässer der Industrienatur sowie biologische und geographische Arbeitsweisen in Form des Entdeckenden und Forschenden Lernens thematisiert.

Projektflächen

Die Projektflächen liegen entlang einer Achse quer durch das Ruhrgebiet. Die Lern- und Erlebnislabore in Essen, Hamm, Duisburg und Oberhausen sind bereits in Betrieb. Der Standort in Dortmund ist derzeit aufgrund umfangreicher Baumaßnahmen im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung 2027 noch nicht für die Durchführung der Lern- und Erlebnismodule nutzbar. 

Projektphasen und Stützpunktschulen

Pro Projektstandort können zunächst fünf Stützpunktschulen an LELINA teilnehmen. Stützpunktschulen sind Schulen (Grund- und Förderschulen sowie Regelschulen der Sekundarstufe I und II), die sich über die gesamte Projektlaufzeit an das Projekt gebunden haben, sich in räumlicher Nähe zu jeweils einer Projektfläche befinden und mit maximal drei Lerngruppen zweimal pro Schuljahr an einer Moduldurchführung am LELINA-Standort teilnehmen. Im Schuljahr 2024/25 besteht auch für weitere Schulen die Möglichkeit, Lern- und Erlebnismodule auf den Projektflächen durchzuführen.

Angebot für weitere Zielgruppen

Neben dem Angebot für Schulen gibt es auch ein außerschulisches Angebot im Rahmen des Projektes. So besteht für Interessierte (z. B. lokale Akteursgruppen, Lehrkräfte, Erzieher:innen, etc.) die Möglichkeit, an einer Multiplikator:innenschulung zu den Themen Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Entdeckendes und Forschendes Lernen sowie Industrienatur teilzunehmen, um die Inhalte des LELINA-Projektes in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. 

Des Weiteren gibt es Veranstaltungen für Studierende (aktuell) der Universitäten Bochum, Trier und Wuppertal. Zum Beispiel können M.Ed.-Studierende der RUB im Fach Biologie ihre Exkursionstage bei LELINA absolvieren. Hierzu wird einmal im Jahr eine Veranstaltung an einem der Lern- und Erlebnislabore angeboten, zu der sich die Studierenden über die Plattform Moodle anmelden können. Darüber hinaus gibt es im Nachgang der Exkursion die Möglichkeit, eine Moduldurchführung mit einer der Klassen unserer Stützpunktschulen aktiv zu begleiten. Auch das Berufsfeldpraktikum ist bei LELINA absolvierbar.

Zudem werden an unseren Projektstandorten Kinderferienprogramme durchgeführt, an denen Kinder verschiedener Altersgruppen teilnehmen können. Im Rahmen verschiedener Aktionen und Citizen-Science-Programme soll sich zukünftig auch eine breite Bevölkerung beim Sammeln von Daten zu Flora und Fauna unserer Projektflächen beteiligen können.

Evaluation und Monitoring

Die Lern- und Erlebnismodule sowie ihre Durchführungen werden zur Qualitätssicherung von der Bergischen Universität Wuppertal evaluiert und so laufend verbessert. Zur Erfassung und Überwachung des Arteninventars und ökologischen Zustands unserer Projektflächen wird ein wissenschaftliches Monitoring an den LELINA-Standorten durch die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet durchgeführt.

Partner

Verantwortlich für die Umsetzung des Projektes sind neben dem Arbeitsbereich Geographiedidaktik des Geographischen Instituts der Ruhr-Universität Bochum der Regionalverband Ruhr, die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet sowie die Bergische Universität Wuppertal.

Finanziert wird das LELINA-Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) sowie des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV NRW) bis zum Ende der Projektlaufzeit. 

Quellen: 

  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Bundesamt für Naturschutz (BfN) (Hrsg.) (2020): Naturbewusstsein 2019. Bevölkerungsumfrage zu Natur und biologischer Vielfalt. https://www.bmu.de/publikation/naturbewusstsein-2019/. 
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Bundesamt für Naturschutz (BfN) (Hrsg.) (2021): Jugendnaturbewusstsein 2020. Bevölkerungsumfrage zu Natur und biologischer Vielfalt.
  • Regionalverband Ruhr (Hrsg.) (o.J.): LELINA – Das Umweltbildungsprojekt. Projektziel und Anspruch. https://www.lelina.ruhr/lelina/projektziel-und-anspruch/. 
  • Regionalverband Ruhr (Hrsg.) (2022): Regionale Biodiversitäts-Strategie Ruhrgebiet veröffentlicht. https://www.rvr.ruhr/themen/oekologie-umwelt/gruene-infrastruktur/news-gruene-infrastruktur/news/regionale-biodiversitaets-strategie-ruhrgebiet-veroeffentlicht/#:~:text=Die%20biologische%20Vielfalt%20ist%20jedoch,an%20Biodiversit%C3%A4t%20ist%20der%20Insektenr%C3%BCckgang.
  • United Nations (Hrsg) (o.J.). Ensure inclusive and equitable quality education and promote lifelong learning opportuni-ties. for all. https://sdgs.un.org/goals/goal4.
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